Börse im Sog von Krisen und Zahlen

Eine Momentaufnahme der Börse am 28. Juli 2014 lässt nicht unbedingt Gutes erwarten. Eine Menge Zahlen könnten zwar für einen gelinden neuen Aufschwung sorgen, denn die Konjunktur in den USA wie in Europa erweist sich immer noch als robust. Deutsche Anleger warten daher eigentlich hoffnungsvoll auf die deutsche Berichtssaison ab Anfang August. Jedoch weiten sich die militärischen Konflikte in der Ukraine wie im Gazastreifen aus, von einer Befriedung kann keine Rede sein. Analysten von Goldman Sachs sehen aktuell die Entwicklung an der Börse sehr skeptisch.

Börse auf der Achterbahn

Das ganze Jahr 2013 über und auch noch das Frühjahr 2014 konnten sich Anleger über eine ruhig haussierende Börse freuen, jedenfalls was die Aktienmärkte betraf. Diese Zeiten sind nun vorbei. Seit einigen Wochen hat eine Achterbahnfahrt an der Börse begonnen. Anfang Juli übersprang der Dax die 10.000 Punkte, inzwischen ist er Ende Juli auf knapp über 9.600 Punkte gefallen (Stand: 28.07.2014). Damit dürfte der Juli zum schlechtesten Börsenmonat des Jahres 2014 werden. Die düsteren Aussichten betreffen neben dem Dax unter anderem auch den Dow Jones. Die Analysten von Goldman Sachs sehen die Lage an der Börse in Bezug auf Aktien kurzfristig recht skeptisch, damit stehen die Experten nicht allein.

Hierfür sind mehrere Entwicklungen verantwortlich. Die Krisen im Gazastreifen und in der Ukraine drücken auf den Aktienmarkt, gleichzeitig fällt die US-Berichtssaison eher negativ aus. Zwar kann von einer Rezession in den Staaten noch längst keine Rede sein, jedoch hätten sich die meisten Anleger angesichts der schwelenden Konflikte wenigstens von den Unternehmen weitaus bessere Zahlen gewünscht. Daher rät die Investmentbank Goldman Sachs vorläufig zur Zurückhaltung in Bezug auf Aktieninvestments. Die Empfehlung für Dividendentitel stuften die Goldman-Sachs-Analysten auf „neutral“ herab. Man erwartet in den kommenden Monaten eine Leitzinsanhebung in den USA, außerdem habe sich die globale Konjunktur abgekühlt.

Zinswende der FED drückt auf die Börse

Auch Analysten der deutschen Commerzbank schlagen skeptischere Töne an. Wie ihre Kollegen von Goldman Sachs stellen sie zwar die Konjunktur insgesamt nicht infrage, jedoch erkennen sie zwei Belastungsfaktoren: Das Wirtschaftswachstum in Europa verläuft weniger stark, als noch Ende 2013 erwartet worden war, zudem dürfte es einen deutlichen Dämpfer für die Börse nach einer Leitzinsanhebung in den USA geben. Die Zinswende, so ein Commerzbank-Analyst, werde schneller kommen, als es den Anlegern lieb sei. Über den genauen Termin möchte FED-Chefin Janet Yellen bislang keine genaue Auskunft geben. Angedacht war das Frühjahr 2015 gewesen, zwischenzeitlich galt der Termin als wacklig.

In den letzten Tagen jedoch deutet sich latent eine pünktliche und unter Umständen sogar vorgezogene Leitzinsanhebung der FED an, über die voraussichtlich am 30. Juli Näheres zu erfahren sein wird. Dann tagt der FED-Offenmarktausschuss, der diesen Termin schon bekannt geben oder zumindest konkretisieren könnte. Die FED-Strategie wird dabei in jedem Fall von Konjunkturdaten beeinflusst, die auch am Mittwoch zu erwarten sind: Das BIP der USA für das abgelaufene zweite Quartal wird ebenso veröffentlicht wie der ADP-Arbeitsmarktbericht. Dieser könnte sehr positiv ausfallen, Experten erwarten eine Meldung über 230.000 neue Jobs.

Börse könnte trotz positiver Konjunktur fallen

Die Arbeitsmarktdaten sind für die Börse ein enorm wichtiger Indikator, mehr noch beeinflussen sie die Zinsentscheidung der FED. Schon seit 2012 hatte sich die US-Institution, die einen mit der EZB vergleichbaren Einfluss ausübt (allerdings ist es keine Zentralbank), auf eine Leitzinsanhebung anhand guter US-Arbeitsmarktdaten um rund sechs Prozent Arbeitslosigkeit festgelegt. Diese Daten könnten nun endgültig erreicht sein. Sie belegen die eigentliche Stärke der US-Konjunktur, drücken jedoch auf die Börse, denn Anleger hassen für die Aktienmärkte Zinsanhebungen. Vielleicht hilft das einem anderen, für die Börse ebenfalls sehr wichtigen Asset: Der Goldpreis könnte in Erwartung einer höheren Inflation wieder steigen, auch hierüber spekulieren die Analysten.