Börse: Langfristiger Aufwärts-Zyklus voraus

Wohin tendiert die Börse aus Sicht des zeitigen Frühjahrs 2014 langfristig? Manche Analysten sind der Auffassung, der Dax müsse alsbald die 10.000-Punkte-Marke knacken und weiter steigen, andere glauben, er habe sein letztes Alltime-High auf lange Sicht bereits im Januar bei rund 9.800 Punkten gesehen. Der Marktanalyst Heino Ruland (Ruland Research) glaubt jedoch, dass sich die Aktienmärkte in einem langfristigen, fundamental untersetzten Aufwärts-Zyklus befinden. In einem Interview mit der ARD erläuterte er in der letzten Märzwoche 2014 seine Prognose.

Mehrjährige Aufschwung-Phase der Weltwirtschaft beflügelt Börse

Ruland ist ein Anhänger der Zyklen-Theorie, die in langen Zeiträumen von Jahrzehnten denkt und seit den 2000er Jahren Aufschwung-Zyklen von rund acht Jahren konstatiert. Dann könne wieder ein kurzer und auch heftiger Abschwung folgen, so Ruland. Der gegenwärtige Aufschwung an der Börse sei aber erst reichlich drei Jahre alt, es ist also noch Luft nach oben.

Deutschlands Wirtschaft wächst weiter und erweist sich als europäische Konjunkturlokomotive, während die europäische Wirtschaft im Ganzen soeben eine Rezession hinter sich bringt. All das sind fundamentale Faktoren laut Ruland, die eine strikte Spekulation auf steigende Börsenkurse bei den Aktien erlauben. Beispiel Deutschland: Die Bilanzen der Unternehmen weisen ordentliche Gewinne auf, die an der Börse noch gar nicht eingepreist sind. Vielmehr liege das KGV – Kurs-Gewinn-Verhältnis – erfreulich niedrig, weit unter den Werten beim letzten Alltime-High vor dem Crash 2007/2008. Der Höhenflug müsse also laut Ruland weitergehen.

Börse mit pessimistischem Sentiment = bullishe Kursprognose

Wie auch der Marktanalyst Joachim Goldberg von Cognitrend beobachtet Heino Ruland ein aktuell bearishes (= auf fallende Kurse eingestelltes, pessimistisches) Sentiment, das als Kontraindikator aufzufassen sei. Ruland verweist gleichzeitig auf einen weiteren, allseits bekannten Kontraindikator: die Massenmedien. Wenn BILD die Hausse ausruft, ist die Party nach Rulands (und nicht nur seiner) Auffassung vorbei.

Anlagenotstand an der Börse?

Auf die Frage des ARD-Reporters, ob die Börse aktuell nicht nur aus Gründen des Anlagenotstands attraktiv für Anleger sei, antwortete Ruland, dass die große Bewegung weg von niedrig verzinsten Rentenpapieren hin zu Aktien noch gar nicht stattgefunden habe, sondern im Gegenteil erst ausstehe. Er beobachte vielmehr aktuell Folgendes: Investoren verschieben das Kapital zunächst von sicheren Staatsanleihen in Peripherie-Anleihen, die Aktienmärkte werden bislang keinesfalls mit Geld geflutet.

Das ist vielleicht das wichtigste Argument für eine fundamental untersetzte Börse, die keinesfalls allein durch Spekulation getrieben wird. Nun steht jedoch mit fortgesetztem Tapering der FED (der Rücknahme von Anleiheaufkäufen) und der für das Frühjahr 2015 angekündigten Leitzinserhöhung in den USA eine straffere Geldpolitik mit höheren Zinsen an. Das wird die Dividendenrenditen von Aktien erhöhen, während alternative Anlagen etwa in Edelmetalle an Reiz verlieren. Damit hat Ruland recht, Gold befindet sich aktuell im Sinkflug. Die 10.000 Punkte im Dax sind laut Heino Ruland nur eine Frage von einigen Wochen, bestenfalls wenigen Monaten.

Natürlich birgt eine Leitzinserhöhung immer auch die Gefahr, negativ auf die Börse durchzuschlagen. Diese Gefahr sei aber in Europa überhaupt nicht zu sehen, so Ruland. Die EZB hätte schließlich bislang nichts von einer Leitzinserhöhung verlauten lassen. Jedoch auch die US-Aktienmärkte dürften wohl nur kurzfristig belastet werden, weil der gegenläufige Effekt – die Attraktivität hoher Dividendenrenditen – dem entgegenstünde.

Börse und Risiken 2014

Wenn es Risiken für die Börse in Europa gebe, dann bestenfalls durch die schwächelnde französische Wirtschaft, so der Analyst Heino Ruland. Bei den Krisenstaaten Irland und Griechenland hingegen macht der Experte eine Stabilisierung aus, die Krisen dürften überstanden sein. Ein Risiko bleibt die chinesische Rezession, während die US-Haushaltssorgen wohl vom Tisch sind, nachdem sich Barack Obama gegen die Republikaner im Haushaltsstreit durchsetzen konnte. Das Interview mit Heino Ruland rund um die Börse 2014 liefert zwar einen optimistischen Ausblick für Aktienanleger, es bleibt aber die Momentaufnahme von Ende März 2014 und die Einzelmeinung eines Analysten. Interessant wäre in einigen Monaten, was die Börse selbst zur Auffassung von Heino Ruland gesagt hat.