Forex: Brokerpleiten durch Frankenfreigabe

Der Frankenfreigabe der Schweizer Nationalbank am 15. Januar 2015, also die Aufgabe einer Untergrenze von 1,20 Franken gegen einen Euro, hat nicht nur die Schweizer Aktionäre und die Wirtschaft des Alpenstaates verunsichert. Auch an der Forex ging dieser Schritt im Währungsbereich naturgemäß nicht spurlos vorüber. Zwei global agierende Broker mussten Insolvenz anmelden, andere gerieten in Schieflage.

Forex: Brokerpleiten durch Währungspolitik?

In der Tat hat der Schritt der SNB an der Forex so starke Verwerfungen zur Folge gehabt, dass das einige Broker nicht überstehen konnten. Betroffen waren Alpari UK und Global Brokers (Neuseeland), andere Forex-Broker gerieten in erhebliche Schieflage. Der größte Forex-Broker der USA FXCM meldete Verluste von 225 Millionen Dollar durch den plötzlichen Anstieg des Franken und kämpft offenbar ebenfalls ums Überleben. Wie ist das möglich? Der Hintergrund ist in den hinterlegten Margins für Positionen an der Forex zu finden, die ein Verlustgeschäft absichern sollen und die entweder zur Nachschusspflicht des Traders oder – inzwischen viel weiter verbreitet – zur Zwangsliquidierung der Position durch den Broker führen. Dieser Schutzmechanismus griff am 15. Januar 2015 nach der Frankenfreigabe nicht mehr vollständig.

Slippages – also die Differenz zwischen gebuchten und ausgeführten Kursen – verursachten Verluste, von denen auch die Broker betroffen waren, die für einen Teil des Kapitals haften. Der Anstieg des Franken erfolgte geradezu blitzartig, in so einem Fall und bei den bewegten Summen an der Forex versagen die Computerprogramme. Erfahrene Trader kennen Slippages nur zu gut: Die Differenz zwischen einem Buchungs- und dem Ausführungskurs kann bei Derivaten schnell 30 Punkte betragen, am 15. Januar war diese Differenz bei den Werten an der Forex, die mit dem Franken zu tun hatten, wahrscheinlich noch viel größer. Normalerweise haften zumindest teilweise die Kunden für die Verluste, wenn nicht der Broker einen Ausführungs- zum Buchungskurs, also eine Ausführung ohne Slippage garantiert hat. Das machen manche Broker aus Marketinggründen, sie riskieren einiges dabei. Am 15. Januar war es vielleicht zu viel. Zudem werden viele Kunden ihrer Nachschusspflicht nicht nachkommen, jedenfalls nicht sofort, der Broker ist aber dem Emittenten gegenüber zum sofortigen Ausgleich verpflichtet. Der daraus resultierende Liquiditätsengpass kann offenbar auch zur Brokerpleite führen.

Ist so ein Szenario Alltag an der Forex?

Zum Alltag gehören Brokerpleiten nicht, auch nicht an der für ihre Überraschungen berüchtigten Forex. Jedoch müssen auch Trader darauf gefasst sein, dass an der Börse und speziell an der Forex immer alles passieren kann. Die Risiken für den Trader bestehen nicht nur im Verlust durch den Handel selbst, sondern auch im Verlust des beim Broker hinterlegten Kapitals – jedenfalls teilweise. Die meisten seriösen Broker an der Forex sind Mitglied in einem Einlagensicherungsfonds ihres Heimatlandes, doch dieser schützt den Trader nur mäßig bis zu einer niedrigen fünfstelligen Summe.

Wer also ein großes Rad an der Forex drehen möchte, muss sich nicht nur einen großen, sondern auch einen großartig gesicherten Broker suchen. Dieser könnte etwas mehr Gebühren verlangen, aber für den unerwarteten Fall solcher Währungsturbulenzen, wie wir sie im Januar 2015 beobachtet haben, ist es das wert. Auch sonst sollte der “Schwarze Donnerstag” 15.01.2015 den Tradern eine Lehre sein: Die Forex ist für diverse Kurssprünge gut und auch für Entwicklungen, mit denen nun wirklich niemand gerechnet hat. Das bedeutet unter anderem für den Trader oder Anleger, dass an der Forex langfristige Positionen eher niedrig kapitalisiert sein sollten. Mit viel Geld lohnt sich eher das Daytrading, auch sollten die Trader ihr Kapital vom Brokerkonto herunterholen. In der Regel gibt es kleine Warnsignale vor einer ernsthaften Schieflage eines Brokers: Ausführungen klappen nicht mehr wie gewohnt, der Support ist plötzlich nicht mehr erreichbar, auch dauern Überweisungen vom Broker- auf das Referenzkonto plötzlich ungewöhnlich lange. Hinzu kommen eigenartige Entwicklungen an der Forex, die Verwerfungsgefahr bedeuten könnten. Wenn ein Trader so etwas beobachtet, sollte er sein Brokerkonto dekapitalisieren und die Forex ein Weilchen von der Seitenlinie aus beobachten.