Forex: Einflüsse im Frühjahr 2015

Die Forex wird im Frühjahr 2015 von verschiedenen Entwicklungen beeinflusst, die teilweise gegensätzliche Tendenzen auslösen. Da wäre zunächst das Anleiheaufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank. Die unkonventionelle Maßnahme der EZB gegen die Inflationsschwäche im Euroraum und eine abflauende Konjunktur hat inzwischen einen Umfang von 60 Milliarden Euro monatlich erreicht. Gekauft werden Staats- und Bankanleihen (Covered Bonds) sowie Kreditverbriefungen (ABS). Weitere wichtige Themen sind die konträre Zinswende in den USA, die gleichzeitig schwächelnde US-Konjunktur und nicht zuletzt das europäische Sorgenkind Griechenland. All das wird die Entwicklungen an der Forex in den nächsten Monaten dominieren.

Auswirkungen der QE-Programms der EZB auf die Forex

Die Europäische Zentralbank hat nicht nur in den vergangenen Jahren die Leitzinsen auf einen Stand knapp über der Nulllinie gesenkt (noch 0,05 %), sie hat auch ein gigantisches Quantitative Easing in Gang gesetzt. Das sind die erwähnten Anleiheaufkäufe. Das kumulierte Volumen der GIPS-Staatsanleihen beträgt bislang 13 Milliarden Euro. Dieser Teilbereich betrifft spanische und italienische Papiere, er löst bei deutschen Bankern Kopfschütteln und heftige Kritik aus. Es droht nämlich ein Moral Hazard, die Staaten haben einen Blankoscheck erhalten. Ob sie jemals noch entsprechende Reformbemühungen unternehmen werden, um ihre Wirtschaften zu sanieren, wagen die Kritiker aus Mittel- und Nordeuropa zu bezweifeln. Die EZB hält die Maßnahme aber für notwendig, um die Wirtschaft der Südländer endlich wieder in Gang zu bringen, möglicherweise ist diese Politik sogar berechtigt. Sie bringt allerdings den Euro wahrscheinlich mehr unter Druck als das griechische Dilemma – das ist eine der Auswirkungen an der Forex.

Griechenland fordert deutsche Reparationszahlungen

Die von Griechenland am 8. April konkret bezifferten Reparationsforderungen gegenüber Deutschland – das griechische Finanzministerium nannte eine Summe von 278,7 Milliarden Euro – kommen zwar im Kontext der griechischen Schuldenkrise zur Unzeit. Jedoch sind sie nicht einfach von der Hand zu weisen. Es ist gravierendes Unrecht geschehen, das Deutschland nicht mit dem Verweis auf griechische Misswirtschaft einfach ignorieren kann. Dementsprechend laut und vernehmlich trug der stellvertretende griechische Finanzminister Mardas den Standpunkt seines Landes vor. Ihm einfach vorzuwerfen, er wolle sein Land aus der Pleite herausdiskutieren und am liebsten die reichen Deutschen in die Pflicht nehmen, hieße zu kurz zu springen. Wenn sich internationale Gerichte der Sache ernsthaft annehmen, könnte es für die Deutschen teuer werden – vielleicht nicht 278,7 Milliarden Euro teuer, aber teuer genug, dass es uns Deutschen wehtut. An der Forex dürften Anleger die Situation als Schwelbrand auffassen, der den Euro mittelfristig weiter unter Druck bringt. In solchen Situationen beweist die Forex ein langes Gedächtnis: Der Euro könnte weiter auf die Parität mit Dollar, Franken & Co. zusteuern und sogar noch weiter fallen. Dazu trägt auch das Szenario eines

Grexit

bei, von dem zwar in den letzten vier Wochen fast niemand mehr geredet hat, der aber längst nicht vom Tisch ist. Denn was kommuniziert wird, kann immer nur einen kleinen Teil der Wahrheit wiedergeben. Tsipras traf sich inzwischen mit Putin, auch das beobachtet die Forex sehr genau. Die Eurozone zerbröselt ganz offensichtlich an ihrer Südostflanke, was den angeschlagenen Euroraum weiter schwächen dürfte. Der Grexit ist im Grunde wahrscheinlicher als je zuvor geworden. Wenn er eintritt, dürfte das an der Forex einen kleinen Tsunami auslösen.

Wie reagiert die Forex auf die US-Daten?

Die US-Arbeitslosenquote sinkt nicht mehr so stark wie in den letzten 12 Monaten, die Wirtschaftsaussichten werden eher pessimistisch beurteilt. Allerdings stehen die Amerikaner immer noch glänzend da, im März 2015 verzeichneten ihre Statistiker eine Arbeitslosenquote von 5,5 %. Die FED will daher an ihrer strafferen Geldpolitik festhalten, die Zinserhöhung der FED wird mit einer 47%igen Wahrscheinlichkeit im Jahr 2015 erwartet. Ihr eigenes QE-Programm hat die FED schon Ende 2014 auslaufen lassen, sie vertritt also aktuell eine der EZB konträr gegenüberstehende Geldpolitik. Wenn sie dabei bleibt, kann es an der Forex nur eine Antwort darauf geben: Der Dollar dürfte immer stärker werden.