Forexhandel: Großbanken ersetzen Händler durch Computer

Die Skandale um Kursmanipulationen an der Forex und um die Beeinflussung des LIBOR-Satzes haben die Manager großer Banken entnervt und erste Konsequenzen ziehen lassen: Forex-Händler von Großbanken, denen Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte (Absprachen über sehr große Orders ihrer Kunden), wurden entlassen, zivil- und strafrechtliche Konsequenzen sind im Anmarsch. Doch das genügt den Großbanken nicht. Sie wollen den Forexhandel prinzipiell neu aufstellen und planen, die Fehlerquelle Mensch in Zukunft durch den reinen Computerhandel auszumerzen, wie die Financial Times Anfang März 2014 berichtete.

Trading-Desks an der Forex im Rückstand?

Dabei gibt es Expert Advisores wie unter MetaTrader seit 2004, etliche private Trader versuchen sich am „Roboterhandel“, 70 Prozent der weltweiten Derivate auf Aktien, Rohstoffe und Indizes werden so abgewickelt. Hat die Forex die Umstellung ihrer Trading-Desks auf den EA-Handel verschlafen? Das ist zwar schlecht vorstellbar, könnte aber stimmen. Der Hintergrund: Expert Advisors handeln automatisch, sie verfolgen eine vom Trader vorgegebene Strategie mit bis zu 10.000 Operationen pro Sekunde.

Trader weltweit wenden die Systeme, wie sie etwa unter MetaTrader 4 und 5 zu finden sind, vor allem auf die von Indizes und Rohstoffen abgeleiteten Zertifikate an, also CFDs und Knock-outs auf den Dax und den Dow, das Gold oder das Öl. An der Forex hingegen dominiert das echte Handeln von Geld. Das betrifft den privaten Trader fast nicht, weil nur wenige Privatleute ein Lot (= 100.000 Einheiten einer Währung) an der Forex handeln. Die Großbanken und Konzerne jedoch handeln sehr wohl nicht nur sechsstellige, sondern sieben- bis neunstellige Beträge, weil sie einfach aus wirtschaftlichen Gründen echte Dollar gegen echte Euro verkaufen müssen. Es gibt zwar auch CFDs und Knock-outs auf Währungspaare, doch diese spielen im Forex-Handel der Großbanken nur eine untergeordnete Rolle. Also überließ man den Handel mit Echtgeld bislang echten Brokern, von den Banken angestellten Händlern, die auf die Idee kamen, sich gegenseitig die großen Orders ihrer Kunden zu verraten, was zu Kursmanipulationen (FAZ Artikel zum Thema) beim Forexhandel führte. Das soll nun durch die elektronische Forex aufhören.

Wie dürfte der elektronische Forexhandel funktionieren?

Die Manager der Top-Ten-Investmentbanken (darunter Deutsche Bank, Barclays, Citigroup, RBS) haben fest geplant, ihre Händler sukzessive durch elektronische Trading-Desks zu ersetzen, also künftig den EA-Handel einzuführen. Einer von ihnen, der nicht genannt werden wollte, erklärte gegenüber der Londoner Financial Times, er sei bei einem zu 100 Prozent elektronisch geführten Handel „viel weniger nervös“. Der Entschluss fiel, nachdem Anfang des Jahres 2014 US-amerikanische, europäische und asiatische Regulierungsbehörden gleichzeitig merkwürdige Bewegungen an der Forex untersucht hatten und dabei auf die Absprachen der Händler stießen. Ab sofort kämpften sich Ermittler durch ein Konvolut von E-Mails und wohl auch mitgeschnittenen Telefonaten, eine Mammutaufgabe angesichts der Millionen von Handelsvorgängen pro Tag an der Forex.

Einer der Ermittler schilderte den Aufwand als gigantisch, man setze seinerseits Programme zur Identifizierung eines verdächtigen Informationsaustausches ein, die auf Algorithmen aus der Verhaltensforschung basieren. Doch den Managern genügt die mögliche Aufklärung und Bestrafung der Schuldigen nicht – sie wollen den elektronischen Forexhandel. Für diese wird wohl künftig die globale Regulatoren-Gruppe „Financial Stability Board“ neue Regeln definieren und damit den Regulierungsversuchen von Regierungen zuvorkommen wollen. Ein Bankenberater erklärte, an dem Schritt zum elektronischen Forexhandel führe kein Weg vorbei, E-Plattformen würden größer, Schreibtische wohl viel kleiner werden. Der Schritt ist für die Banken im Grunde überfällig, denn im sonstigen Zertifikate-Handel werden inzwischen 74 Prozent des weltweiten Volumens per Expert Advisor gehandelt, wie das Forschungsunternehmen Greenwich Associates für das Jahr 2013 ermittelte. Nur der gute alte Forexhandel wird nach wie vor vom telefonischen Handel der Broker beherrscht, was nach Aussage von Bankern durch die Kundennachfrage bedingt sei. Die persönliche Beziehung zwischen den Maklern und ihren Großkunden führe nach wie vor zu den höchsten Aktivitäten an der Forex, auf den rein elektronischen Handel wollen sich die Halter großer Währungspositionen wohl nicht verlassen. Künftig müssen sie sich wahrscheinlich umstellen.