Geldanlage: EZB verteilt Spielgeld

Im angefangenen neuen Jahr 2015 dürfte die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zum entscheidenden Faktor jeder börslichen Geldanlage werden, möglicherweise auf höchst negative Weise. Experten befürchten einen mehr oder minder starken Crash am Aktienmarkt nach den jüngsten Ankündigungen von EZB-Chef Mario Draghi.

Auswirkungen von angekündigten Anleiheaufkäufen durch die EZB

Die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi, Anleihen in größerem Umfang aufzukaufen, hat zu Gegenstimmen im EZB-Rat geführt, wobei dieses Mal nicht nur wie gewohnt der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann opponierte. Auch andere nationale Notenbankchefs gehen mit Draghis Auffassungen zur Politik des billigen Geldes nicht mehr konform, sie befürchten negative Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Möglicherweise behalten sie recht, denn die wichtigen Finanzakteure – große Investoren – haben diese Ankündigungen schon vorweggenommen und in den letzten Monaten teilweise kräftig investiert. Das dürfte der Hintergrund für ordentliche Kurssteigerungen beim DAX und anderen europäischen Leitindizes gewesen sein, über die man sich angesichts der oft schwierigen ökonomischen und geopolitischen Lage schon wundern durfte.

Wenn nun das nächste QE-Programm startet, werden diese Investoren alsbald verkaufen – ein schlechtes Signal für jede börsliche Geldanlage. Allerdings könnte sich der EZB-Chef auch dem Votum der QE-Gegner fügen und nichts unternehmen. In diesem Fall könnte es zu einem Marktschock kommen, die Verkäufe dürften panikartig ausfallen. Diejenigen Privatanleger, die schon Aktien und Anleihen halten, sind wahrscheinlich am meisten betroffen, weil sie oft zu spät reagieren und außerdem nicht stringente Sicherungsmechanismen nutzen. Ihre Geldanlage könnte sich zumindest zu großen Teilen in Luft auflösen.

Zwiespältige Haltungen in der Eurozone

Während Deutschland und einige nördliche Euroländer eine allzu exzessive Geldpolitik ablehnen, wäre diese für Italien, Frankreich, Portugal, die gebeutelten Griechen und einige andere schwache Staaten ein Segen. Sie wollen ihre nicht sehr wertvollen Staatsanleihen loswerden, die ihnen Draghi abkaufen will, wie wollen niedrige Zinsen und sie wollen beileibe nicht so durchgreifend reformieren, wie sie es müssten. Hierzu ist der interne Druck der eigenen Opposition und Bevölkerung zu groß. Ihre Wartestellung provoziert Mario Draghi zu seinen Geldgeschenken, die für eine Geldanlage vordergründig sogar positiv erscheinen, denn eigentlich wurden nach solchen Geldspritzen stets Aktien gekauft und stiegen damit im Wert. Doch dieses Mal könnte der Schuss nach hinten losgehen. Allein diese Befürchtung kostet an der Börse Geld. Etwas informiertere Investoren halten sich zurück, das drückt die Kurse der Geldanlage in Aktien.

Geldanlage und Deflation

Es gibt natürlich auch Argumente pro Quantitative Easing (Anleiheaufkäufe), denn damit könnte wieder etwas Inflation entstehen. Aktuell liegt diese in der Eurozone nur noch bei lächerlichen 0,3 %, der Schritt zur Deflation ist nicht mehr weit. Diese müsse, so die QE-Befürworter, mit allen Mitteln bekämpft werden, denn sie schade der institutionellen und privaten Geldanlage vielleicht am meisten. Auch dieses Argument ist gar nicht allzu weit hergeholt: Bei einer Deflation könnten die Menschen bald jede Geldanlage bleiben lassen und stattdessen ihr Geld zu Hause in den Sparstrumpf stecken, Unternehmen würden es eher in das eigene Wachstum als in Aktien stecken. Das klingt zwar gut, macht aber die Geldanlage an der Börse obsolet. In so einem Fall sinken die Aktienkurse auch, weshalb verstärkte Anleiheaufkäufe möglicherweise doch die renditestarke Geldanlage befördern könnten.

Geldanlage Anfang 2015: zusätzliche Faktoren

Es gibt noch einige Unsicherheitsfaktoren, die sich auf eine Geldanlage Anfang 2015 stark auswirken. Da ist etwa der sinkende Ölpreis, der die Deflation befördert, andererseits wie ein Konjunkturprogramm in der Eurozone wirkt. Er beschädigt aber auch die vom Öl abhängigen russischen Staatsfinanzen, womit sich im Osten ein starkes Drohpotenzial aufbaut, das riskant für jede Geldanlage sein kann. Ein weiterer Faktor könnte sein, dass Aktien- und Rohstoffinvestitionen aktuell als alternativlose Geldanlage gelten, weil es auf Festgeld- und Sparkonten faktisch kaum noch Zinsen gibt. Es dürfte für Privatleute sehr schwer werden, diese widersprüchlichen Faktoren bei ihrer Geldanlage ausreichend abzuwägen.