Geldanlage: Was macht die Börse in der Krise?

Die Börse zeigte es Mitte April 2014 wieder einmal deutlich: In der Krise ziehen die Anleger ihre Gelder ab, und zwar aus allen Assetklassen gleichzeitig. In der Ukraine wird nun scharf geschossen (15. April 2014), der Dax fällt daraufhin ebenso wie das Gold, das doch normalerweise als Pendant und sicherer Hafen in Krisenzeiten gelten müsste. Offensichtlich haben aber große wie kleine Investoren anderes im Sinn: Sie flüchten aus ihren Anlagen und retten lieber ihr Bargeld.

Ungemütliche Börse

Der Dax ließ noch am Morgen vermuten, dass die Investoren keinesfalls die Nerven verlieren: Er war in der Range des Vortages gestartet und hielt Kurs, sogar ein Mini-Ausbruchsversuch war zu verzeichnen. Doch um 16.30 h MEZ brachen die Dämme: Der Dax stürzte gleich um 200 Punkte ab, er folgte damit dem Gold, das schon seit dem nächtlichen Asienhandel nachgegeben und um 14.00 h MEZ in einen kleinen Crash übergegangen war. Erfahrene Börsianer sehen solches Geschehen sehr besorgt an: Es droht ein ernsthafter Finanzkrach, wenn die umgekehrte Korrelation zwischen Gold und den Aktienmärkten ausgehebelt wird. Ursächlich waren Meldungen über Schießereien auf dem ostukrainischen Flugplatz Kramatorsk, es gibt nun heißen Krieg. Alle Assets brachen ein, es hieß: Rette sich, wer kann.

Was macht die Börse in der Krise?

Zunächst einmal betrifft die aktuelle Krise vorrangig die europäischen Börsen, denn der Dow Jones schloss heute im leichten Plus (+0,50 %). Mitteleuropa liegt aber vor Russlands Haustür, hier wird es schnell brenzlig, wenn es im Osten ernsthaft kriselt und der russische Bär ungemütlich brummt. Varengold-Händlerin Anita Paluch kommentierte, der deutsche Markt sei in solchen Situationen besonders gefährdet, zu eng seien die seit den 1990er Jahren aufgebauten Verflechtungen mit Russland. Jack de Gan, ein Investmentexperte des Bank- und Analysehauses Harbor Advisory, äußerte sich tief besorgt. Wenn Russland eingreifen sollte, seien starke Kurskorrekturen zu erwarten, so der Aktienprofi, der die Börse in solchen Situationen aus jahrzehntelanger Erfahrung kennt. Er nahm das Wort „Crash“ nicht in den Mund, möglicherweise nur aus Vorsicht. Ein Crash ist so unwahrscheinlich nicht mehr, die Kurswellen deuten darauf hin.

Auch die deutschen Konjunkturerwartungen brachen ein, der April verzeichnete einen ZEW-Indexrückgang um 3,4 % auf nur noch 43,2 Punkte, was als bedenklich gilt (positiv sind Werte über 50 Zähler). Der Volkswirt Thomas Gitzel (VP Bank) bezeichnete dies als „klares Signal“. Zudem mache sich vor allem die Börse Sorgen um die Ukraine. Natürlich sind einzelne nationale Börsen unterschiedlich betroffen. Der russischen RTS brach heute um 3,2 %, der ebenfalls russische, in Rubel festgestellte Micex-Index um 2,6 % ein. Der Dollar stieg gegen den Rubel auf 36,1650.

So sieht die Krise an der Börse aus

Einige gelassene Trader, die sich an den 11. September 2001, an den Crash infolge der amerikanischen Subprime-Krise 2007/2008 und an den Absturz nach dem Fukushima-Unglück im März 2011 erinnern, sehen die kommende Krise inklusive möglichem Crash aus einem ganz anderen Blickwinkel: Sie hoffen, mit Put-Positionen ordentlich Geld verdienen zu können. Das ist vollkommen legitim, verlangt aber einiges an Geschick. Der Hintergrund: Die Börse ist auch in der Krise keine Einbahnstraße, die Kurse purzeln niemals einfach herunter. Vielmehr steigt an der Börse innerhalb einer Krise auch sehr stark die Volatilität, es gibt heftige Kursrückschläge. Bei den Abstürzen 2007/2008 fiel der Dax an manchen Tagen um 300 bis 500 Punkte, schlug aber auch (nach oben) um 200 Punkte pro Tag zurück. Einen Vorgeschmack, wie es dieses Mal ablaufen könnte, lieferte er heute Abend: Er fiel um rund 200 Punkte und stieg dann nachbörslich wieder um etwa 120 Punkte (Peaks vernachlässigt). Das könnte sich so in den nächsten Tagen fortsetzen und macht die aktuelle Börse sehr spannend.