Milliardenstrafen im Forex Skandal

Internationale Großbanken – darunter fünf der größten europäischen Geldhäuser – haben offenbar über mindestens ein Jahrzehnt oder auch länger den Forex-Markt manipuliert. Es drohen nun Milliardenstrafen, die schwere Löcher in die Bilanzen der Banken reißen dürften. Dies ist der zweite, bislang weniger beachtete Skandal neben der Manipulation des LIBOR-Satzes. Ein Heer von Anwaltskanzleien mit hochkarätigen Spezialisten an Bord übernimmt die Vertretung der Bankhäuser: Hier gibt es richtig Geld zu verdienen.

Der Forex Skandal – Prozesskosten und Strafen in Milliardenhöhe

Allein die ausstehenden Prozesskosten und die zu erwartenden Strafen dürften die beteiligten europäischen Banken um zehn Milliarden Euro kosten, die in 2014 und 2015 fällig werden. Verwickelt sind die größten europäischen Finanzakteure, die in der Forex permanent hohe Positionen halten: die HSBC, Barclays, die Deutsche Bank, Barclays, HSBC, die schweizerische UBS und die Royal Bank of Scotland. Diese Banken, die auch am Londoner Goldfixing beteiligt sind, gerieten mit dem ab 2006 vermuteten, ab 2008 durch Spezialisten der SEC und mehrerer europäischer Finanzbehörden aufgedeckten Forex-Skandal nun schon zum dritten Mal ins Visier der Ermittler: Sie sollen den LIBOR ab 2012 und den Goldpreis ab 2013 manipuliert haben, bei Devisen reichen die Manipulationen offensichtlich mindestens bis zum Beginn der 2000er Jahre zurück. Die Rückstellungen, die einzelne Banken jetzt für die erwarteten Prozesse vornehmen, liegen zwischen 8,5 bis zu 10,6 Milliarden Euro – pro Bank. Schon 2013 brachten die fünf Banken zusammen an Prozesskosten 16,4 Milliarden Euro auf. Die Händler dieser Banken stehen unter dem Verdacht, Informationen über ihre Kundenaufträge untereinander gehandelt zu haben, um die Devisenkurse an der Forex gezielt zu beeinflussen. Die nun fälligen Strafen addieren sich zu den 4,1 Milliarden Euro an Geldbußen, die schon für die LIBOR-Manipulation gezahlt wurden.

Insgesamt 170 Milliarden Euro Strafe wegen der Forex

Es ist nicht der erste Manipulationsvorwurf, der den beteiligten Banken an der Forex gemacht wird. Auf internationalem Parkett zahlten schon zwischen 2008 bis 2012 insgesamt rund 170 Milliarden Euro für derartige Betrugsversuche. Beteiligt waren mindestens zehn große Banken aus den USA und Europa. Offenbar haben sie nicht viel daraus gelernt, denn die Tricks scheinen sich fortzusetzen, inzwischen fahnden 15 Ermittlungsbehörden aus Europa, den USA und Asien nach weiteren Vorkommnissen im Forex-Geschäft. Insider hatten die Bank of England schon 2006 auf das Geschehen hingewiesen, sie reagierte jedoch nicht. Die Banken rüsten derweil zur Verteidigung und haben hochkarätige Kanzleien angeheuert, die ihrerseits ausgewiesene Forex-Fachleute mit der Expertise beschäftigten. Um 1.000 Spezialisten sind wohl insgesamt – mithin auf beiden Seiten der Prozesslager – mit dem Skandal beschäftigt. Die Ermittler sehen sich immensen Datenmengen gegenüber, rund 12 Millionen Mails versenden beispielsweise Mitarbeiter der UBS pro Tag. In diesem Konvolut muss geforscht werden, hier sind Datenexperten am Werk, die Erkenntnisse der Verhaltensforschung einbeziehen. Sie suchen nach Schlüsselpersonen, -daten und -geschehnissen, wie der Geschäftsführer einer der Datenanalysefirmen berichtet. Die Mails, Chatprotolle und selbst SMS-Nachrichten werden mit Bewegungen an der Forex im fraglichen Zeitraum abgeglichen. Mehrere Großbanken, darunter Barclays, die Deutsche Bank und die Citigroup, haben bereits Händler entlassen.

Welche Konsequenzen hat der Forex Skandal für private Trader?

Inwieweit ein privater Trader von dem Forex Skandal betroffen ist, hängt allen Ernstes von seinem Trading-Stil ab. Fundamental orientierte Händler müssten beispielsweise Verluste befürchten, wenn die Wirtschaftslage bestimmte Bewegungen erwarten lässt, auf die mit langlaufenden Strategien gesetzt wird. Eine Manipulation macht dann solche Strategien zunichte. Wer Daytrading betreibt und Fundamentaldaten überwiegend außer Acht lässt, könnte das Geschehen hingegen gelassen hinnehmen. Die kurzfristigen Bewegungen im Minuten- und Stundenbereich, die ein Daytrader handeln will und während derer er sich per Stopploss eng absichert, sind mehr oder weniger immun gegen eine Manipulation im großen Stil – sie finden so oder so statt.