Scalping mit Kauflimits, Kaufstopps und Hedging

Das Scalping mit Kauflimits und Kaufstopps zu betreiben und auf diese Weise mit einem Hedging zu verbinden erscheint ganz sicher hoch komplex, jedoch ist die Konstruktion des entsprechenden Revelators mit den vorgesehenen Orderarten jedes normalen Discount-Brokers möglich und bewirkt damit das Programmieren eines Expert Advisors. Wir gehen an dieser Stelle von einer erfahrenen Leserschaft aus, für bloße Interessenten sollen die Begrifflichkeiten kurz erläutert werden:

  • Scalping meint das Mitnehmen von Kursbewegungen auf kleinstem Raum.
  • Ein Kauflimit bucht den Schein beim Erreichen eines vorgegebenen Preises ein, der unter dem gegenwärtigen Preis liegt.
  • Ein Kaufstopp bucht den Schein beim Erreichen eines vorgegebenen Preises ein, der über dem gegenwärtigen Preis liegt.
  • Hedging ist das Sichern einer Position durch eine gegenläufige Position oder durch bereits im Gewinn liegende Teile derselben Position, die aufgestockt wurde und/oder deren Gewinnstopps aufgesplittert wurden.
  • Ein Revelator („Offenbarer“) ist ein System mit permanent gegenläufigen Positionen. Wir wissen nicht, wer den Namen erfunden hat, wahrscheinlich ein Spaßvogel von godmode-trader.de. Die haben mal so ein System eingesetzt.
  • Ein Expert Advisor ist ein automatisch handelndes Programm, eigentlich ein Trading-Roboter.

Begründung des Verfahrens

Die eigentlichen Vorzüge erschließen sich erst nach der vollständigen Erklärung des Verfahrens, daher möge der interessierte Leser die folgenden Aussagen a priori zur Kenntnis nehmen. Beim Scalping steht der Trader immer vor dem Problem, dass er sehr oft auf engstem Raum ausgestoppt wird. Auch das Auffächern mehrerer Stopps, das wir in einem anderen Beitrag erläutert haben, kann diesen Effekt nicht verhindern. Komfortable Stopps mit etwas mehr Abstand wären also wünschenswert, widersprechen aber der grundlegenden Intention des Scalpings, auf engstem Raum und damit jederzeit zu handeln.

Beides bedingt sich: Das Handeln auf engstem Raum, Gewinne auf engstem Raum verursachen auch häufiges Ausstoppen auf engstem Raum. Mit einem Kauflimit für einen gegenläufigen Schein kurz vor dem Moment des Einstoppens der Hauptposition erhöht sich signifikant der Komfort des Stopplossmanagements, denn nun können mehrere (empfohlen: drei) Verlustbegrenzungsstopps etwas entfernt vom Einstieg platziert werden. Ein Rückschlag führt die gegenläufige Position – den Hedge – in den Gewinn und kompensiert damit den Verlust. Der zweite große Vorteil besteht in der Funktion des Expert Advisors bei diesem Revelator: Der Trader muss den Kurs nicht sekündlich beobachten. Sollte er eingestoppt werden und gerade nach der Kaffeetasse gegriffen haben, schützt ihn der Hedge, falls der Kurs sofort zurückschlägt. Der dritte Vorteil besteht in einem Gewinn des Hedges ohne Einbuchen der Hauptposition bei einem False Break.

Scalping mit Hedge: Durchführung

Um das Scalping auf diese Weise durchzuführen, suchen Sie sich einen signifikanten Ausbruchspunkt. Der Erklärung zuliebe gehen wir von einem Ausbruch nach oben aus einer Tageskonsolidierung aus. Das benötigte Kapital für einen Trade liegt bei mindestens 5.500 Euro, mehr ist immer besser.

  • Buchen Sie ein Kauflimit für einen Put – nicht unter 1.200 Stück eines Knock-outs – knapp unter dem vermuteten Ausbruchspunkt für den Call (der Kurs bricht nach oben aus).
  • Buchen Sie einen Kaufstopps für eine gegenüber dem Put dreifach übergewichtete Call-Postition etwa fünf bis zehn Punkte (nicht mehr, nicht weniger) über dem Kauflimit für den Put. Die Begriffe „über“ und „unter“ meinen die absolute Chartmarke.
  • Wenn das Kauflimit für den Put erreicht werden sollte, müssen Sie nichts tun. Sie verfügen über einen Expert Advisor. Der mögliche Verlust des Puts, falls der Kurs weiter steigt, wird durch den Gewinn des dreifach übergewichteten Calls kompensiert.
  • Wenn der Kaufstopp für den Call erreicht wird, setzen sie drei Verlustbegrenzungsstopps für die in drei Teile gesplittete Call-Position beispielsweise bei fünf, zehn und fünfzehn Punkten.
  • Sollte sich der Kurs weiterbewegen, ziehen Sie diese Stopps in den Gewinn und fächern sie dabei auf, vergrößern also die Abstände. Wer sehr schnell rechnen kann, lässt den Put etwas nach dem Break-eaven ausstoppen. Das erhöht die Effizienz, ist aber nicht zwingend: Der Revelator kann nach einem viel weiter oben liegenden Reversal die Call-Gewinnstopps erfassen und den Put noch einmal in den Gewinn führen. Das wäre gerade bei Indizes nicht ungewöhnlich.

Es gibt das Szenario, dass das Kauflimit des Puts, aber nicht der Kaufstopp für den Call erreicht wird. Bingo, lassen Sie Ihren Put in den Gewinn laufen und genießen Sie den False Break. Ist das nicht toll? – Es gibt aber leider auch das Szenario, dass Kauflimit und Kaufstopp erreicht werden und danach der Kurs konsolidiert. Sie stehen mit der Gesamtposition bislang im Verlust oder bestenfalls auf +/- 0, weswegen Sie nun schlicht und erschütternd die Stopps sehr eng stehen lassen müssen.

Viele Dank für eure Aufmerksamkeit! Wir freuen uns auf Feedback. Bis dahin, alles Gute und Good Trades !
Euer Scalping Team