Scalping mit mehreren Stopps

Beim Scalping, dem Mitnehmen kleinster Kursbewegungen, gibt es sehr einfache und auch komplexere Strategien. Während der Trader beim einfachen Scalping per Kaufstopp oder Direktorder einsteigt und entweder sofort nur einen minimalen Stopp platziert oder die Gesamtposition von Hand und ohne Stopp in Sekunden oder Minuten wieder verkauft, zeichnet sich das komplexere Scalping durch den Einsatz mehrerer Stopps, Kauflimits und Kaufstopps sowie daraus folgend auch komplexer Hedging-Strategien aus.

Wozu das Scalping mit mehreren Stopps?

Einfaches Scalping hat sicher viele Vorzüge, die größten sind dabei die Übersichtlichkeit und der (relativ) geringe Kapitaleinsatz. Damit kann komplexes Scalping nicht punkten. Es kann sehr unübersichtlich werden, wie wir in einem anderen Beitrag zum Scalping mit Kauflimits, Kaufstopps und daraus abgeleitetem Hedging belegen werden, zudem benötigt es definitiv mehr Kapital. Der Kapitaleinsatz bei komplexem Scalping wird regelmäßig ab 5.000 Euro betragen, das darf als Untergrenze betrachtet werden (es geht theoretisch mit etwas weniger Geld, aber nur theoretisch).

Die Komplexität zeigt sich auch schon beim Scalping mit mehreren Stopps (Kauf- und Gewinn-/Verlustbegrenzungsstopps), wenn auch nicht so sehr wie mit Kauflimit-/Hedging-Strategien. Angesichts dieser Betrachtung fragt sich der Trader, wozu das dienen soll. Es ist an dieser Stelle zu vermerken, dass Trader mit wenig Erfahrung und wenig Geld die Finger von dieser Art von Scalping lassen sollten, es würde ihr Kapital in kürzester Zeit – damit sind einige Minuten gemeint – vernichten. Nun zur Begründung dieser Art von Strategie. Sie ergibt sich aus dem größten Nachteil des einfachen Scalpings:

  • Einfaches Scalping nimmt kaum jemals längere Bewegungen mit, weil das konzeptionell nicht vorgesehen ist. Es muss ein sehr knapper Stopp unmittelbar nach Kauf platziert und nachgezogen werden. Die Wahrscheinlichkeit des Ausstoppens mit sehr geringen Verlusten, aber auch nur geringen Gewinnen (zwei bis maximal zehn Punkte) liegt bei über 99 %.
  • Komplexes Scalping arbeitet mit mehreren Stopps, um dem Kurs die Chance zu geben, sich zu entwickeln. Das verlangt Geschick, einen kühlen Kopf, ein ausgezeichnetes Equipment, die beste Internetverbindung, einen ausfallfreien Broker und viel Geld.

Handlungsweise beim Scalping mit mehreren Stopps

Der Einsatz mehrerer Stopps wird selten publiziert, ist aber beim Trading immer zu empfehlen. Grundsätzlich kann ein Trader nicht wissen, wie weit ein Kurs zurückschlägt, der sich eigentlich in die richtige Richtung entwickelt. Daher kann eine Position in mehrere Stopps gesplittet werden, theoretisch könnten es unendlich viele Stopps sein. Praktisch sind drei Stopps zu empfehlen. Nur zwei Stopps erhöhen die gewünschte Wahrscheinlichkeit auf einen hohen Gewinn nicht genügend, ab vier Stopps verlangt das System zu viel Kapital, wird zu unübersichtlich und dabei nicht so viel mehr effizient. Drei Stopps haben sich als optimal erwiesen, beim Scalping sowieso. Die folgende Anleitung bezieht sich auf ein Trading mit Knock-outs, das trotz aller CFD-Werbung sehr verbreitet ist (vollkommen zu Recht), aber Gebühren kostet. Wir gehen von einem Discount-Broker mit einer Ordergebühr von rund 6,- € aus. Es wird nur einmal die Gesamtposition eingebucht (beachte: auch mehrere Kaufstopps wären möglich), dann in drei Verlust-/Gewinnbegrenzungsstopps gesplittet, sodass die Ordergebühren insgesamt 24,- € betragen:

  • Setzen Sie einen Kaufstopp mit einer Position von mindestens 3.300 Stück eines Knock-outs an die gewählte Stelle (Breakout-Level, Einstiegspunkt einer 1-2-3-Formation etc.). Alternativ buchen Sie an dieser Stelle von Hand ein, aber nur (!) bei einem sehr hohen Momentum. Hierbei ist allerdings die Slippage zu beachten (Differenz zwischen Buchungs- und Ausführungskurs), die bei hohem Momentum ebenfalls hoch ausfallen kann. Eine Slippage von 30 Punkten ist bei einem Breakout im Gold oder im Cable (GBP/USD) zwar nicht normal, kann aber vorkommen. Die Kosten für diese Position bei einem Scheinpreis von wahrscheinlich ~1,20 € werden inklusive Gebühr um 4.000 Euro betragen.
  • Setzen Sie, wenn sich der Kurs nach dem Einstieg sofort um mindestens fünf bis sechs Punkte in die richtige Richtung bewegt, drei Stopps für je 1.100 Stück bei vier, drei und einem Punkt Gewinn. Sie könnten auch drei, zwei und eins wählen, ebenso drei, eins und minus eins oder null, das ist in Wahrheit Geschmackssache. Da aber beim Scalping mit Verlusten zu rechnen ist, sollte ein Minigewinn immer angestrebt werden. Oft genug wird dieser nicht gelingen.
  • Wenn der Kurs an Ihrem Einstiegskurs stehen bleibt, setzen Sie nur einen Stopp oder verkaufen Sie sofort von Hand. Die Entscheidung hierüber fällt in rund fünf bis zehn Sekunden, oft schneller.
  • Wenn sich der Kurs wie gewünscht weiterentwickelt, fächern Sie die Stopps mit immer größerem Abstand zueinander auf. Sollte der Kurs an einer nachfolgenden Konsolidierung stoppen, klappen Sie den Fächer wieder zu, ebenso zum Feierabend.

Mit diesem System kann sich möglicherweise wenigstens einer der drei Stopps sehr weit entwickeln, wie es beim einfachen Scalping fast nie gelingt. Es wäre also ein Gewinn von vielleicht 50 bis 200 Punkten für eine Position (manchmal auch zwei der drei Positionen) möglich. Bei 100 Punkten für nur eine der drei Positionen und vielleicht noch insgesamt 15 Punkten für die beiden anderen Positionen betrüge der Gesamtgewinn bei einem Einsatz von 4.000 Euro am Ende 1.430 Euro.
Bis dahin, alles Gute und Good Trades !