Forex Trading bei unterschiedlichen Prognosen

Beim Trading an der Forex haben die Anleger manchmal zwischen sehr konträren Prognosen zu befinden. Das ist nicht die Regel, wie manch ein Trader spontan denken mag, es gibt durchaus auch an der Forex oft einen gewissen Konsens zwischen den Marktbeobachtern. Dass die griechische Schuldenkrise beispielsweise den Euro unter Druck bringen würde, sah praktisch jeder Experte auf gleiche Weise, ebenso waren die Auswirkungen an der Forex durch die Kursfreigabe des Schweizer Franken prognostizierbar. Exakt auf Heller und Pfennig kann und will zwar niemand die Kursentwicklungen vorhersagen, doch darum geht es auch nicht. Es geht um einen Trend, den der Trader handeln möchte. Was aber, wenn an der Forex konträre Trends prognostiziert werden etwa in der Art: Ein Experte glaubt an ein steigendes britisches Pfund gegen den Dollar, der andere Fachmann glaubt das Gegenteil?

Forex Trading als Straddle

Die Trader, die den entsprechenden Wert handeln möchten, können eine Art Straddle konstruieren. Der Begriff (“es mit beiden Seiten halten”) ist aus dem Optionsscheintrading bekannt, doch diese recht komplexe Konstruktion ist hier nicht gemeint. Es geht darum, dass der Trader einen Trend mit einem Anlageinstrument (meist CFD oder Knock-out) an der Forex aufnimmt und für die Gegenrichtung einen Kaufstopp platziert. Der Trader geht also nicht davon aus, dass es eine halbwegs zuverlässige Prognose zum entsprechenden Trend an der Forex gibt.

Er folgt einem Trend mit dem sofortigen Einbuchen und einem längeren Stopp, der Kaufstopp für ein Handelsinstrument der Gegenrichtung funktioniert wie ein Verlustbegrenzungsstopp. Diese auch als Revelator bekannte Strategie generiert zwei Vorteile: Sie schont zunächst das Kapital, weil der Kurs ruhig eine Weile schwanken kann, ohne dass einer der beiden Scheine (zum Beispiel ein Call- und ein Put-CFD auf denselben Forex Wert) aufgegeben werden muss, zudem schafft sie den psychologischen Vorteil, dass der Trader in diejenige Richtung, die sich am Ende durchsetzt, schon positioniert ist und einen Stopp über die Gewinnschwelle setzen kann. Doch Vorsicht: Ein Revelator oder Straddle mit CFDs oder Knock-outs (oder anderen Anlageinstrumenten mit gleichem Wertverlauf) schafft in Wahrheit keinen echten finanziellen Vorteil.

Dieser Mythos ist weit verbreitet, sämtliche Hedgefonds folgen ihm. Er ist auch nur zu verlockend wie der Gesang der Syrenen, gegen dessen Betörungen sich der griechische Held Odysseus an den Mast seines Schiffes binden ließ, um nicht zu unterliegen, aber es ist und bleibt ein Mythos oder eine Schimäre (ein Trugbild). Dieses Trugbild hat auch nichts mit dem echten Straddle zu tun, der durch klassische Optionsscheine gebildet wird. Dieser funktioniert, weil die Scheine gerade einen unterschiedlichen Wertverlauf wegen der griechischen Kennzahlen aufweisen. Können Sie noch folgen? Leider reicht der Platz an dieser Stelle weder zur Erklärung der Syrenen und der Odysseus-Sage noch zur mathematischen Erläuterung echter Straddles. Googeln Sie das bitte. Kurz und gut: Trader können an der Forex auf gegenläufige Prognosen reagieren, indem sie in einen Trend einsteigen und für den anderen einen Kaufstopp setzen.

Wie funktioniert das an der Forex praktisch?

Das Frühjahr 2015 bietet in dieser Hinsicht eine schöne Gelegenheit beim EUR/USD. Im Jahrestrend ist deutlich erkennbar, dass der Euro gegen den Dollar fällt, was einer einheitlichen Prognose aller Marktbeobachter seit Mitte 2014 entsprach. Jedoch ist nun fast die Parität erreicht (9. April 2015: Kurs EUR/USD 1,0655), eigentlich könnte der Euro bald wieder steigen. Das wäre eine plausible Prognose, die schon verschiedentlich geäußert wird. Auch der Drei-Monate-Chart spricht Bände, denn der Euro setzt durchaus immer wieder zu Aufschwüngen an. Trader könnten nun ein Openend-Putderivat mit einem Stopp zum Beispiel bei 1,15 oder 1,12 buchen und laufen lassen und sich in die zwischenzeitlichen Aufschwünge mit einem Call einbuchen lassen, der durch das Put-Derivat gehedgt wird und dieses seinerseits hedgt. Wie gesagt: Das kann, muss aber nicht zwingend gewinnträchtig sein. Die Forex ist immer für Überraschungen gut.

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