Das Chartmuster Flaggen richtig nutzen

Flaggen sind als Chartmuster recht gut zu erkennen, weil sie wirklich wie eine Flagge am Fahnenmast hängen. Besonders im Aufwärtstrend ist das Bild unverkennbar, es gibt freilich auch das umgekehrte Muster im Abwärtstrend. Die Flaggen gelten als Fortsetzungsformation.

Flaggen identifizieren

Im Aufwärtstrend „hängt“ eine Flagge am „Fahnenmast“, im Abwärtstrend weht sie stattdessen von unten nach oben. Flaggen bilden sich entgegen des Haupttrends, dessen Fortsetzung sie anzeigen. Im Aufwärtstrend hat sich nach einem steilen Ausbruch nach oben eine schräg nach unten gerichtete Abwärtskonsolidierung ausgebildet, im Abwärtstrend erscheint dieses Bild spiegelbildlich. Flaggen sind im Aufwärtstrend wesentlich häufiger anzutreffen, es sei denn, es handelt sich um Forexpaarungen, bei denen der Abwärtstrend der einen Paarung das genaue Spiegelbild des Aufwärtstrends der umgekehrten Paarung ist (EUR/USD und USD/EUR). Im Aktienmarkt hingegen, wo ein Aufwärtstrend bei gesunder Konjunktur der Normalfall wäre, zeigt die Flagge nach einem Ausbruch nach oben die Verschnaufpause in diesem Trendimpuls an, der sich danach fortsetzen wird, während ein Crash nach unten oft etwas anders verläuft. Dennoch gibt es hierbei auch Flaggen. Ein Sonderfall – das ist zu beachten – sind die Wimpel, die ein gleichschenkliges Dreieck mit relativ parallel nach rechts gerichteter Spitze abbilden. Auch sie können zu den Flaggen gezählt werden.

Entstehung von Flaggen als Chartmuster

Eine Flagge im Aufwärtstrend entsteht, weil der starke Aufwärtsimpuls des „Fahnenmastes“ so von den meisten Anlegern nicht erwartet worden war. Zwar waren sie wohl der Auffassung, dass die Kurse sich prinzipiell nach oben bewegen könnten, jedoch sind sie überrascht von der starken Bewegung und beginnen teilweise, diese abzuverkaufen. Das ist ein relativ normales menschliches Verhalten.

Flagge
Typische bullische Flagge (Kurs steigt)

Viele Investoren sind reflexartig der Auffassung, dass es wohl für heute genug sei und der Kurs kaum noch viel weiter steigen könne. Sie nehmen also Gewinne mit und verursachen damit einen Rückgang des Kurses, der zum typischen Bild der Flagge führt. Jedoch erfolgt dieser Abverkauf verhalten und erzeugt damit kein starkes Reversal, das es auch geben könnte. Schon während des ersten Rückganges steigen einige Anleger wieder prozyklisch in die Haupttrendrichtung ein (die der Fahnenmast mit seinem Aufwärtsimpuls angezeigt hat), und genau das führt zum typischen Bild der Flagge. Wenn deren Winkel auch noch nicht zu steil verläuft, sondern die Flagge nur mäßig nach unten weht, ist den meisten Investoren das Geschehen klar. Sie positionieren ihre Kaufstopps in Trendrichtung über der oberen, abwärtsgerichteten Mini-Trendlinie der Flagge. Im Abwärtstrend verhalten sich die Investoren genau umgekehrt. Nochmals ist darauf hinzuweisen, dass sich Flaggen im Abwärtstrend eines Aktien- oder Rohstoffmarktes (auch eines Aktienindex´) etwas anders darstellen.

Wie geht es nach der Flagge weiter?

Es genügt nun, dass die Verkäufe nachlassen, die Flagge also – wir betrachten den Aufwärtstrend – etwas weniger steil nach unten hängt und damit einige der über der oberen Flaggentrendlinie liegenden Kaufstopps ausgelöst werden. Das löst zunächst einen kleinen Kursimpuls nach oben und nachfolgend eine Kaufstoppkaskade aus: Der Kurs setzt sich in Haupttrendrichtung nach der Flagge fort. Das kann beispielsweise in Indizes wie dem Dax und auch in den Charts von Blue Chips fast täglich beobachtet werden. Darüber hinaus bilden sich in Aktiencharts Flaggen gern auf der Basis von Tagescharts und lösen sich nach rund einer Woche auf.